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Das Bündnis “verkaufsoffene Sonntage” von ver.di und Kirche im Ruhrgebiet bröckelt – die katholische Kirche scheint die Seiten wechseln zu wollen

Seit Jahren schreiten die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die katholische und evangelische Kirche Seit´an Seit´, wenn es um die verkaufsoffenen Sonntage geht.

Nun hat das Bündnis Risse bekommen. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck ist zwar unzufrieden über die Verdopplung von vier auf acht verkaufsoffene Sonntage durch die CDU/FDP Landesregierung, doch hat er sein Herz für die lokale Geschäftswelt in Essen entdeckt, die sich seiner Meinung nach durch zusätzliche Öffnungstage gegen die übergroße Konkurrenz des Onlinehandels erwehren muss. Außerdem lehnt er eine „Fundamentalopposition“ der Kirche, „wie sie ver.di an den Tag legt“, generell ab.

Das ist eine ähnliche Haltung wie der zeitgleich stattfindende katholische Kirchentag deutlich machte. Dort wurde die massive Aufrüstung bei uns und der gestiegene Waffenexport nicht verurteilt, sondern die „Antwort eines Christen auf die Frage gesucht, ob Frieden auch mit militärischen Mitteln geschaffen werden darf“, im Vordergrund stand. Das Bündnis “verkaufsoffene Sonntage” von ver.di und Kirche im Ruhrgebiet bröckelt – die katholische Kirche scheint die Seiten wechseln zu wollen weiterlesen

„Ihren konkreten Arbeits- und Lebensbedingungen, ihren Sorgen und Nöten, wird keine Beachtung geschenkt“

Rechte Umtriebe werden auch in Betrieben und Gewerkschaften sichtbar. Darauf macht Dieter Sauer im Interview mit den NachDenkSeiten aufmerksam. Sauer, der am Münchner Institut für Sozialwissenschaft forscht, hat sich in einer Untersuchung unter anderem damit auseinandergesetzt, wie sich der Einfluss von rechts in der Arbeitswelt bemerkbar macht und er wollte wissen, was die Ursachen für die Attraktivität rechten Gedankenguts in den Betrieben sind. Im Interview sagt Sauer, dass die Enttäuschung der Arbeitnehmer über die Politik „als ein Einfallstor für den Rechtspopulismus gesehen werden“ muss. Ein Interview von Marcus Klöckner. „Ihren konkreten Arbeits- und Lebensbedingungen, ihren Sorgen und Nöten, wird keine Beachtung geschenkt“ weiterlesen

Den Kaufhof-Beschäftigten zur Erinnerung empfohlen: der Karstadt Trubel – Trouble mit „ehrbaren Kaufleuten“

Im deutschen Einzelhandel gibt es schon seit einigen Jahren einen massiven Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb, ausufernde Öffnungszeiten, Preiskriege und die Tendenz der Unternehmen, immer mehr Personal einzusparen.

Die zunehmende Tarifflucht im Einzelhandel, gepaart mit dem Missmanagement einzelner Unternehmensleitungen hat dazu beigetragen, dass nun auch der Warenhauskette Galeria Kaufhof die Zahlungsunfähigkeit droht.

Kaufhof versucht gegenüber der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di derzeit drastische Einschnitte bei Löhnen und Gehältern durchzusetzen. Ein neuer Tarifvertrag ist laut dem Konzern notwendig, um wettbewerbsfähig zu sein und die rund 21.500 Arbeitsplätze zu erhalten. Galeria Kaufhof war erst 2015 durch den börsennotierten us-amerikanischen Handeslriesen HBC übernommen worden, kämpft aber seitdem mit schrumpfenden Umsätzen und Verlusten. Zuletzt hatte HBC in seinem Europa-Geschäft einen weiteren Umsatzrückgang um 3,4 Prozent verbuchen müssen.

Gleichzeitig schreitet die Konzentration im Einzelhandel voran und die Fusion von Karstadt und Kaufhof rückt näher, dabei wird voraussichtlich der Karstadt-Stammsitz in Essen wegfallen.

Die Beschäftigten von Kaufhof sollten sich noch einmal die Situation ihrer Kolleginnen und Kollegen bei Karstadt vor Jahren vor Augen führen, denn sie waren es, die durch den Lohn-, Urlaubsgeld- und Weihnachtsgeld verzichtet, dem Sanierungstarifvertrag, den Fortführungstarifvertrag und die „Tarifpause“ den größten Beitrag zur Gesundung des Skandalkonzerns beigetragen haben.  Genau diese Beschäftigten müssen wieder einmal um ihre Arbeitsplätze fürchten, wenn Karstadt und Kaufhof fusionieren.

Dabei ist nun wieder die österreichische Signa-Gruppe des Immobilien-Investors René Benko, der übernahm die Karstadt Warenhaus GmbH mit ihren 83 Karstadt-Filialen. Wahrscheinlich wird er auch Kaufhof übernehmen, für einen Appel und ein Ei. Den Kaufhof-Beschäftigten zur Erinnerung empfohlen: der Karstadt Trubel – Trouble mit „ehrbaren Kaufleuten“ weiterlesen

Küche, Kinder, Krise

Von Elsa Koester

„Rajoy darf Spanien nicht ins Mittelalter zurückwerfen!“ Mit erhobenen Fäusten protestierten im Frühjahr 2014 Hunderttausende Frauen auf den Straßen Madrids – und erreichten, wovon Liberale in Polen nur träumen durften: Sie kippten nicht bloß einen Plan zur rigiden Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, sondern erzwangen auch den Rücktritt des zuständigen Justizministers Alberto Ruíz Gallardón. Seine Partei, der konservative Partido Popular, war erst im Krisenjahr 2011 durch einen aggressiven Anti-Abtreibungs-Wahlkampf an die Macht gekommen.

Wie hängen die erstarkenden Auseinandersetzungen um Frauenrechte in Europa mit der ökonomischen Krise von 2008/2009 zusammen? Das hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in elf Länderstudien zu Austerität, Geschlechterungleichheit und Feminismus nach der Krise untersucht. Als Autorinnen firmieren Soziologinnen in EU-Staaten wie Spanien, Irland, Griechenland und Kroatien sowie in der Ukraine, Litauen und Russland. Auch die Situation von Frauen im als „Krisengewinner“ geltenden Deutschland wurde untersucht. Welche Folgen hatte die Krise für die Positionen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt? Für die gesellschaftliche Organisation von Erziehung, Bildung und Gesundheit? Und eben: Wie hängt der jüngst erstarkende Antifeminismus mit Krise und Austerität zusammen?

Die Beobachtungen sind spannend: Küche, Kinder, Krise weiterlesen

Linke und Grüne scheitern mit Anträgen gegen die Hartz-IV-Sanktionen im Bundestag

Der Bundestag hat am 28. Juni 2018, über das Pro und Contra von Sanktionen im System des Arbeitslosengeldes II (ALG II). Es zeigte sich auch diesmal, dass die Positionen der Fraktionen nach wie vor weit auseinanderliegen. Daran änderte auch die Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales nichts, in dem sich ein Großteil der Sachverständigen am 4. Juni 2018 für eine Abschaffung beziehungsweise Entschärfung der Sanktionspraxis ausgesprochen hatten.

Zur Abstimmung standen nun zwei Anträge der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen, in denen diese ein Ende der Sanktionen und eine bessere Betreuung der Arbeitslosen durch die Jobcenter fordern. Zumindest in letzterem Punkt herrschte fraktionsübergreifend Einigkeit.

Dennoch lehnten in namentlicher Abstimmung 534 Abgeordnete den Antrag der Linken ab, 126 stimmten ihm zu, es gab eine Enthaltung. Den Antrag der Grünen lehnten 522 Abgeordnete ab, 124 unterstützten ihn, es gab ebenfalls eine Enthaltung. Der namentlichen Abstimmung lag eine Beschlussempfehlung des Ausschusses für Arbeit und Soziales zugrunde.  Linke und Grüne scheitern mit Anträgen gegen die Hartz-IV-Sanktionen im Bundestag weiterlesen

Wenn der Staat nicht mehr gestalten kann

Von Susanne Wixforth

Die fehlgeleitete Wettbewerbsdoktrin der EU-Kommission verhindert Infrastrukturprojekte, zerstört Versorgungssysteme und zwingt die öffentliche Hand in oft schlechte Kooperationen mit Privaten. Um den sozialen Charakter, die demokratischen Prinzipien der EU und die europäische Integration zu verteidigen, muss dem Abbau staatlicher Leistungen entgegengewirkt werden. Wenn der Staat nicht mehr gestalten kann weiterlesen

Sparwelle bei den Banken trifft vor allem die armen Kunden

Bei den Banken sprudeln die Einnahmen nicht mehr so üppig wie früher einmal. Vor allem die Nullzinsen haben dazu geführt, dass bei den Kosten gespart und die Gebühren, wo eben durchsetzbar, saftig erhöht wurden.

Das scheint ihnen aber nicht auszureichen. Jetzt läuten vor allem die Direktbanken eine neue Einsparrunde ein. Konnten die ärmeren Kunden bisher auch einzelne Fünf- oder Zehn-Euro-Scheine ziehen,  geht seit neustem unter 50 Euro gar nichts mehr. Für Schüler, Auszubildende, Studenten und Bezieher von Sozialleistungen, deren Kontostand oft knapp im Guthabenbereich ist, wird es dann eng, sie müssen mit dem Geldabheben dann den nächsten Monatsersten abwarten. Sparwelle bei den Banken trifft vor allem die armen Kunden weiterlesen

Dauerlüge Flexibilität – Keule Arbeit 4.0 und zur Notwendigkeit der Vollzeitarbeit

Von Rolf Geffken

Auf der Tagung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für Arbeitsrecht an der Bucerius Law School in Hamburg am 15.6.2018 zum Thema „Arbeitszeitrecht“ trat einiges Erhellendes zur Realität unserer „Arbeitszeitwelt“ zu Tage. Fakten, die nicht nur von den Protagonisten der offiziellen Debatte ignoriert werden sondern auch von denen, die meinen, an der „Gestaltung“ von Arbeit 4.0 durch eigene Beiträge mitwirken zu sollen, darunter auch die IG Metall, andere Gewerkschaften aber auch bisweilen naive und am Co-Management interessierte Betriebsräte: Dauerlüge Flexibilität – Keule Arbeit 4.0 und zur Notwendigkeit der Vollzeitarbeit weiterlesen

Die digitale Reservearmee der Online-Ökonomie – gigantische Entwertung von Arbeit

Von Martin Risak

Die Online-Ökonomie, d.h. jener Wirtschaftsbereich, der sich vor allem auf die Verwendung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) und dabei insbesondere auf das Internet stützt, hat eine neue Form der Arbeitsorganisation geschaffen: das Crowdsourcing von Arbeit. Die digitale Reservearmee der Online-Ökonomie – gigantische Entwertung von Arbeit weiterlesen

Cybercrime-Razzia des LKA beim Wissenschaftsladen in Dortmund – sie kommen bei Nacht und Nebel und beschlagnahmen Materialien von antifaschistischen Gruppen

Der Dortmunder Wissenschaftsladen (WiLaDo) hält seit fast 40 Jahren das Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe” hoch und macht in diesem Sinn für engagierte Menschen Ressourcen verfügbar.

Die produktiven Möglichkeiten der Netze versucht die Initiative für Individuen und Gruppen insbesondere auch für progressive Bewegungen wie gewerkschaftliche Vernetzung, Umweltbewegung, Antifaschismus, Kunst- und Kultur, soziale Bewegungen, Tierschutz und Bürgerprotest, nutzbar zu machen.

In der Nacht zum Donnerstag, 05. Juli 2018 wurde der WiLaDo Zielscheibe einer Cybercrime-Razzia des LKA. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Uniformierte drangen in den „Langen August“, eines der letzten selbstverwalteten Häuser für Initiativen und Gruppen in der Dortmunder Nordstadt ein und hielten die dort Anwesenden fest. Sie führten einen Durchsuchungsbefehl mit, der sich auf den Wissenschaftsladen Dortmund e.V. bezog. Dessen ungeachtet durchsuchten die Eindringlinge den gesamten Langen August und beschlagnahmten rechtswidrig Material der Gruppen und Initiativen des Hauses. Cybercrime-Razzia des LKA beim Wissenschaftsladen in Dortmund – sie kommen bei Nacht und Nebel und beschlagnahmen Materialien von antifaschistischen Gruppen weiterlesen

Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, werden auch in Dortmund weiterhin im Stich gelassen

Im vergangenen Jahr haben die Frauenhäuser in NRW 20 Prozent mehr Hilfsgesuche ablehnen müssen als im Vorjahr. 2017 mussten in Dortmunder Frauenhaus 474 Anfragen von Frauen mangels Platz abgewiesen werden, 2016 waren es noch 320. Das Dortmunder Frauenhaus hat bei einer Einwohnerzahl in der Stadt von rund 600.000 nur 213 Plätze und 2 Notbetten für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden.

Belegzahlen der vergangenen zwei Jahre sprechen für sich und für die Notwendigkeit eines Schutzraumes für die Frauen. 2016 war das Frauenhaus zu 92,68 Prozent belegt, 86 Frauen und 84 Kindern wurde dort aufgezeigt, wie sie in der Zukunft gewaltfrei leben können. 2017 waren 34 Frauen und 31 Kinder untergekommen, das entspricht einer Belegquote von 105,78 Prozent.

Eine Alternative zur häuslichen Gewalt entwerfen zu können und Schutz zu finden ist für die Frauen schwieriger geworden, weil der Wohnungsmarkt für die Bezieher von Sozialleistungen in der Stadt fast geschlossen ist. Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, werden auch in Dortmund weiterhin im Stich gelassen weiterlesen

Mindestlohn –„Wir bräuchten 66 Jahre, um alle Unternehmen mal durchzuprüfen”

Stefan Sell im Gespräch mit Ursula Mense

Der Mindestlohn in Deutschland soll in zwei Schritten auf 9,35 Euro steigen. Der Sozialwissenschaftler Stefan Sell sieht in der Erhöhung des Mindestlohns ein typisches Kompromissmodell der Mindestlohnkommission. Um die Einhaltung des Mindestlohns zu überprüfen, fehle es jedoch am Personal, sagte er im Dlf. Mindestlohn –„Wir bräuchten 66 Jahre, um alle Unternehmen mal durchzuprüfen” weiterlesen

GRUNDRECHTE-REPORT 2018: „Gefährder“ Staat

Am Dienstag, den 29. Mai 2018, stellten in Karlsruhe acht deutsche Bürger- und Menschenrechtsorganisationen* den neuen Grundrechte-Report 2018 der Öffentlichkeit vor – wie seit 1997 jährlich um den Verfassungstag herum. In 45 Beiträgen werden Grundrechtsverletzungen und -gefährdungen des vergangenen Jahres geschildert – sowie einige wenige Verbesserungen. Während die Verfassungsschutzberichte von Bund und Ländern lediglich die angeblichen Gefährdungen der freiheitlich demokratischen Grundordnung durch Organisationen und Parteien, Gruppen und Grüppchen schildern, die zu keinem Zeitpunkt je die Bundesrepublik ernsthaft haben in Gefahr bringen können, versteht sich der Grundrechte-Report als der wahre Verfassungsschutzbericht, der deutlich macht, dass die hauptsächlichen Gefährdungen für den Rechtsstaat und die Grundrechte vom Staat und seinen Institutionen ausgehen. GRUNDRECHTE-REPORT 2018: „Gefährder“ Staat weiterlesen

Influencer in Uniform: Wenn die Exekutive viral geht

Von Markus Reuter, Alexander Fanta, Marie Bröckling, Luca Hammer

In Deutschland sind heute mehr als 100 Polizeien rund um die Uhr auf Twitter aktiv. Eine Datenanalyse von Netzpolitik.org und dem Medienwissenschaftler Luca Hammer nimmt die digitale Behördenarbeit unter die Lupe. In unserer Serie zeigen wir, wie sich die Polizei in dem sozialen Netzwerk eine neue Form der Öffentlichkeit schafft.

In den sozialen Medien erfinden sich die deutschen Polizeien gerade ein Stück weit neu. Wo früher spröder Amtscharme herrschte, twittern die Beamten nun lässige Sprüche, begleiten Demonstrationen mit Social Media Teams in Echtzeit und warnen partywütige Jugendliche vor zu viel Radau. Dürfen die das alles eigentlich? Netzpolitik.org hat rund hundert offizielle Twitterkonten der deutschen Polizeibehörden identifiziert und etwa 163.000 Tweets analysiert. Unser Bericht führt durch die Welt der Polizei-Influencer und zeigt, wie die deutsche Exekutive viral geht. In diesem Text liefern wir eine ausführliche Datenanalyse und Einordnung. In unserer Reihe „So twittert die Polizei (link is external)“ bieten wir außerdem ein Interview mit einem Experten (link is external) für digitale Polizeiarbeit, wir schauen nach der rechtlichen Lage und zeigen heikle Fälle und Fehlgriffe (link is external) in der Social-Media-Arbeit der Polizeien. Influencer in Uniform: Wenn die Exekutive viral geht weiterlesen

Private Equity Monitor: Finanzinvestoren kauften 2016 mehr als 200 Unternehmen in Deutschland – Mehrheit der finanzierenden Fonds in „Steueroasen“

„Finanzinvestoren, die Unternehmen kaufen und mit Gewinn weiterveräußern, sind in Deutschland weiterhin sehr aktiv: 2016 haben Private-Equity-Gesellschaften (PE) 212 und damit drei Prozent mehr Unternehmen übernommen als im Vorjahr.

Das war das höchste Volumen seit dem Rekordjahr 2007 – unmittelbar vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten war mit 106.000 genauso hoch wie 2015. Die Anzahl der „Exits“, bei denen Finanzinvestoren Unternehmen weiterverkaufen, stieg sogar um mehr als ein Drittel auf 101 Unternehmen mit rund 102.000 Beschäftigten. Das ergibt der aktuelle „Private Equity Monitor“ der Hans-Böckler-Stiftung. Die jährliche Auswertung stellt die einzige regelmäßige wissenschaftliche Berichterstattung zu Übernahmen durch Private Equity in Deutschland dar. Private Equity Monitor: Finanzinvestoren kauften 2016 mehr als 200 Unternehmen in Deutschland – Mehrheit der finanzierenden Fonds in „Steueroasen“ weiterlesen

Staat spart mit Hartz-IV-Sanktionen fast 2 Milliarden Euro – mit fatalen Folgen für die Betroffenen

In den vergangenen zehn Jahren haben Deutschlands Jobcenter mehr als zwei Milliarden Euro im Rahmen ihrer Sanktionspraxis einbehalten, die der Bund somit eingespart hat.

Allein im vergangenen Jahr wurden die Zahlungen um mehr als 178 Millionen Euro gekürzt. Rund 137.000 Menschen waren davon betroffen, das entspricht 3,1 Prozent aller Hartz-IV-Empfänger.

Diese Daten beruhen auf eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit, die die Behörde auf Anfrage der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, DIE LINKE, Sabine Zimmermann, zusammengestellt hat.

Im Oktober 2015 lehnte der Bundestag mit der Mehrheit der Regierungskoalition die Abschaffung von Sanktionen bei Hartz-IV-Bezug ab. Auch die Gewerkschaften konnten sich bisher nicht dazu durchringen, sich eindeutig gegen die Sanktionspraxis zu positionieren.

Dabei sind die Sanktionen im Rechtskreis Sozialgesetzbuch II (SGB II) weiterhin verfassungsrechtlich und ethisch äußerst umstritten. Auch das Sozialgericht Gotha hatte die Sanktionsregeln bei Hartz-IV als verfassungswidrig eingestuft und den Sachverhalt dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt, dessen Entscheidung steht noch aus.

Die Jobcenter werden also auch weiterhin Sanktionen verhängen, wenn die Erwerbslosen gegen ihre Pflichten verstoßen, mit fatalen Folgen für die Betroffenen. Staat spart mit Hartz-IV-Sanktionen fast 2 Milliarden Euro – mit fatalen Folgen für die Betroffenen weiterlesen

Kampfansage an die Gewerkschaften in Österreich

“Die werden die Guck aufreißen, wenn sie sehen, wie wir wirklich im Kampfmodus sind”, gibt sich Wolfgang Katzian, der neue Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), selbstbewusst: Vertretern der rechtspopulistischen Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz, die sich jetzt schon über vereinzelte Protestmaßnahmen beschweren, richtet er damit auf gut Wienerisch aus, dass sie noch Augen machen werden – er und seine Mitstreiter würden noch viel wirkungsvoller auftreten, sobald eine rote Linie überschritten ist.

Die Mitte-Rechts-Regierung in Österreich setzt der Arbeiterbewegung schwer zu. Die ArbeitnehmerInnen und ihre Gewerkschaften wehren sich mit Verve. Bislang mit gewissem Erfolg. Doch können sie diesen Kampf gewinnen? Kampfansage an die Gewerkschaften in Österreich weiterlesen

Im Fahrstuhl nach unten: Marx und die Abstiegsgesellschaft

Von Oliver Nachtwey

„Ich bin sicher, dass wir eine Renaissance des Marxismus erleben werden.“ Dieser Satz stammt nicht von Karl Marx, der ja bekanntlich gar kein Marxist sein wollte, sondern vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.[1] Es sind wirklich besondere Zeiten. Selbst auf die Katholiken und ihren Antikommunismus ist in der heutigen Welt kein Verlass mehr. Kein Zweifel: Im Jahr seines 200. Geburtstages erlebt der große Mann aus Trier eine erneute Renaissance. Heute sind es längst nicht mehr allein die Periodika der Linken, die Marx auf den Titel setzen. Im 21. Jahrhundert haben des Marxismus unverdächtige Zeitschriften wie der britische „Economist“ (das Hausblatt der – wie Marx sie genannt hätte – internationalen Bourgeoisie) ihm Titelgeschichten gewidmet. „Vielleicht hat Karl Marx recht“, twitterte „Bloomberg“, einer der zentralen Informationsdienste der Wall Street, und die „Neue Zürcher Zeitung“ widmete dem Comeback des Marxschen Ideologiebegriffs eine ganze Seite.[2] Im Fahrstuhl nach unten: Marx und die Abstiegsgesellschaft weiterlesen

Medienstadt Dortmund – als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet

Auf dem Weg ins „Neue Medien-Zeitalter“ träumten viele Dortmunder Anfang der 1980er Jahre vom Aufbau der Medienstadt, die auch als Job-Motor dienen sollte. Die Politik strebte an, mittelfristig in der Liga mit München, Berlin und Köln zu spielen und war für alles offen, was die damaligen gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen hergaben.

Ein wichtiger Baustein für das große Vorhaben war das „Kabelpilotprojekt“, das neben Berlin, Ludwigshafen und München am 1. Juni 1985 gestartet wurde und für die Projektteilnehmer gehörte der Fernsehempfang per Antenne der Vergangenheit an, die Signale wurden per Kabel in die Haushalte gesendet.

Kritiker waren weniger euphorisch und warnten, mit den neuen technischen Möglichkeiten seien privaten Anbietern die Tür geöffnet und die Konsumenten würden mit allmählich verflachenden Programmen überflutet. Die Kritik war berechtigt, denn in Bonn hatte es 1982 einen Machtwechsel geben und die Regierung Kohl wollte den „Medienmarkt“ öffnen. Medienstadt Dortmund – als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet weiterlesen

Ausgepresst

Von Minh Schredle

Internationale Investoren legen ihr Geld inzwischen lieber am Wohnungsmarkt als in der Automobilindustrie an. Der rasante Aufstieg der Vonovia, in deren Häusern eine Million Menschen wohnen, verdeutlicht, wie dabei asoziales Verhalten belohnt wird.

Weil der alte Name mit zu viel Negativem verbunden war, musste ein neuer her. Die Deutsche Annington heißt seit Mitte 2015 Vonovia. Falls sich durch die Umbenennung etwas an dem Marktverhalten, das der Annington ihren schlechten Ruf einbrachte, geändert hat, muss es sich heimlich vollzogen haben. Ausgepresst weiterlesen