Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege: eine repräsentative Beschäftigtenbefragung

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) haben am 7. September in Berlin eine repräsentative Beschäftigtenbefragung vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass diese Arbeitsbedingungen weitaus stärker von Zeitdruck und überbordender Arbeitsmenge geprägt sind als im Durchschnitt aller Berufsgruppen.

Alle Beteiligten leiden infolge des Personalmangels unter Zeitdruck und Arbeitsverdichtung. Aufgrund der oft miserablen Arbeitsbedingungen bleiben immer mehr Stellen in der Alten- und Krankenpflege unbesetzt. Doch das Problem des Fachkräftemangels ist hausgemacht. In den Krankenhäusern werden immer mehr PatientInnen in immer kürzerer Zeit versorgt. Die Bewohnerstruktur in den Pflegeeinrichtungen hat sich grundlegend geändert, der Einzug ins Heim hat sich in höhere Lebensjahre verschoben. Die Folge ist: Immer mehr Arbeit bei weniger Personal.

Jahrelang wurde bei der Pflege gespart. Mit permanenter Überlastung, häufigem Holen aus der Freizeit, geteilten Diensten und zu wenig Personal in Tag- und Nachtschichten verschleißen die Arbeitgeber die Arbeitskraft und die Gesundheit der Beschäftigten.

Die Ergebnisse der Sonderauswertung der Repräsentativumfrage zum DGB-Index Gute Arbeit belegen eindrücklich die dramatische Lage:

  • Nahezu einhellig positiv bewerten die Pflegebeschäftigten den gesellschaftlichen Nutzen ihrer Arbeit – doch 73 Prozent von ihnen sind der Meinung, nicht leistungsgerecht entlohnt zu werden.
  • 80 Prozent der Beschäftigten in der Krankenpflege und 69 Prozent in der Altenpflege müssen sehr häufig oder oft gehetzt arbeiten
  • Drei von vier Pflegebeschäftigten müssen bei der Arbeit häufig schwer heben oder tragen.
  • Der Anteil der Beschäftigten, die Kernanforderungen interaktiver Arbeit zu bewältigen haben – z.B. Gefühle verbergen oder Konflikte mit PatientInnen bzw. Kundschaft durchstehen –, ist in der Pflegebranche fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt für bundesweit alle Beschäftigten.
  • Wochenendarbeit ist für drei Viertel, Nachtarbeit für ein Drittel, Schichtarbeit für zwei Drittel der Beschäftigten in Pflegeberufen der Regelfall.
  • 46 Prozent der im Pflegebereich Beschäftigten können ihr Arbeitspensum nur bewältigen, indem sie Abstriche bei der Qualität ihrer Dienstleistung machen.
  • Deutlich besser als im Durchschnitt für bundesweit alle Beschäftigten ist es um die betrieblichen Weiterbildungsangebote in der Pflegebranche bestellt; einem Drittel der dort Arbeitenden werden allerdings keine oder kaum Möglichkeiten geboten.
  • Unter sechs der elf Qualitätskriterien herrschen in der Pflegebranche schlechte Arbeitsbedingungen; ein guter Wert wurde nur für ein Kriterium ermittelt: den Sinn der Arbeit.
  • Nur 22 Prozent der Pflegebeschäftigten gehen davon aus, unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente durchhalten zu können; steht es um die Arbeitsbedingungen gut, ist der Anteil allerdings fünf Mal größer als bei schlechten Bedingungen.

 

Professionell Pflegende wollen gute Arbeit leisten und für die Sicherheit der PatientInnen und BewohnerInnen sorgen. Und gleichzeitig wissen die Beschäftigten, dass sie das unter den gegebenen Umständen immer weniger einlösen können. Der Handlungsbedarf für die Pflegeberufe und die pflegerische Versorgung ist enorm.

 

 

 

Quelle: verdi

Bild: flikr 123

Weitere Infos: repräsentative Beschäftigtenbefragung: file:///C:/Users/Admin/Downloads/DGB-Index-Arbeitsbedingungen-in-der-Alten-und-Krankenpflege%20(2).pdf