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Atypische Beschäftigung verharrt auf hohem Niveau – Quote in westdeutschen Ländern um bis zu 12 Prozentpunkte höher als im Osten

Die Zahl der atypischen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland verharrt auf hohem Niveau. Besonders stark betroffen sind nach wie vor Frauen in Westdeutschland, die aus familiären Gründen oft in Teilzeit oder Minijobs arbeiten, zudem jüngere Beschäftigte, geringer Qualifizierte und Beschäftigte ohne deutschen Pass. Dementsprechend unterscheiden sich die Quoten in Ost- und Westdeutschland erheblich, und sie haben sich in den vergangenen Jahren noch auseinanderentwickelt: In den ostdeutschen Bundesländern liegt der Anteil atypisch Beschäftigter nach den aktuellen Zahlen überall unter 18 Prozent, in Brandenburg sogar unter 15 Prozent. Im Westen reicht sie von knapp 18 Prozent in Hamburg bis 23 Prozent und mehr in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Bremen. Das zeigt eine neue Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Atypische Beschäftigung verharrt auf hohem Niveau – Quote in westdeutschen Ländern um bis zu 12 Prozentpunkte höher als im Osten weiterlesen

Vorschläge für eine »politische Ökonomie für alle in Europa«

ÖkonomInnen der EuroMemo-Gruppe haben angesichts des Wiederauflebens »von Nationalismus und autoritärem Populismus in der EU« zu einem Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik aufgerufen. Von der aktuellen Reformdebatte erwarten die WirtschaftsexpertInnen allerdings nicht viel.

Empirisch sei der »Zusammenhang zwischen krisenbedingter wirtschaftlicher Unsicherheit und der Unterstützung autoritär-populistischer Parteien« in Europa inzwischen gut dokumentiert. Die »schleichende Krise der politischen Repräsentation«, die nicht zuletzt der Sozialdemokratie stark zugesetzt hat, beruhe »sowohl auf einer befürchteten Verschlechterung des Lebensstandards der Mittelschicht als auch auf einer tatsächlichen Verschlechterung für die Arbeiterklasse«. Vorschläge für eine »politische Ökonomie für alle in Europa« weiterlesen

Verdi-Aktivisten unzufrieden mit Tarifabschluss. Aktionstag Einzelhandel in Planung

Von Jessica Reisner
Nachdem die Tarifrunde für die 141.000 Kolleg*innen des Einzelhandels in Berlin-Brandenburg erst am 1. Juli 2019 offiziell begann, wurde am 5. Juli schon das Verhandlungsergebnis verkündet. Ohne jegliche Arbeitskampfmaßnahmen und Warnstreiks wurde das Ergebnis der Verhandlungen aus NRW für die Region Berlin-Brandenburg übernommen. Dabei steht sogar in NRW der Tarifvertrag erst nach der Zustimmung der großen Tarifkommission, die am 11. Juli 2019 tagt.

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Für eine soziale Republik Europa – Die Krise der national fragmentierten Sozialdemokratie ist eine Chance für die progressive Linke

Von Felix Sassmannshausen

Es bedarf keiner besonderen Anstrengung, um festzustellen, dass die Sozialdemokratie sich sowohl als Partei als auch als Bewegung, in einer tiefen Krise befindet. Dies beweisen die jüngsten Parlamentswahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland in aller Deutlichkeit. Diese Krise lässt sich dabei als Ausdruck von fünf Kernproblemen der Sozialdemokratie deuten, die sich unter anderem im Schwinden einer progressiven Perspektive auf die Europäische Union ausdrücken. Ausgehend von diesen fünf Grundproblemen, plädiert der folgende Aufsatz für die Wiederbelebung des Projektes einer sozialen Demokratisierung der EU. Für eine soziale Republik Europa – Die Krise der national fragmentierten Sozialdemokratie ist eine Chance für die progressive Linke weiterlesen

Chronik des Überwachungsstaates

Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland erlassen Regierungskoalitionen vielfach Gesetze, die Überwachung ausbauen und Freiheiten einschränken. Jedoch finden sich keine Beweise, inwiefern sogenannte Sicherheitsmaßnahmen ihrem Titel gerecht werden: Sie verhindern keine Taten, sondern gaukeln dies nur vor.

Vielmehr stellen die hier genannten Gesetze Bürger unter Generalverdacht und beeinflussen die Dynamiken einer Demokratie: Menschen verändern ihr Verhalten, wenn sie sich beobachtet fühlen. Freie Lebensentfaltung ist daraufhin weder im privaten noch öffentlichen Raum gewährleistet.

Vor allem seit der Jahrtausendwende erlassen Bundesregierungen Gesetze, die kontinuierlich Grund- und Freiheitsrechte abbauen, indem Überwachung ausgedehnt wird. Diese Politik erfolgte häufig im Namen der Sicherheit, wenn Politiker sich aufgefordert sahen, auf Gefährdungslagen zu antworten: Anti-Terror-Dateien, massenhafte Überwachung, Rasterfahndung, Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung – um nur einen Teil zu nennen.

Die Chronik des Überwachungsstaates dokumentiert diese Entwicklung. Chronik des Überwachungsstaates weiterlesen

Sozialer Protest in Frankreich: Kein Ende in Sicht

Von Guillaume Paoli

Am 1. Mai wurden in Paris eingekesselte Demonstrierende von der Polizei aufgefordert, vor dem Verlassen des Platzes ihreabzugeben. Der Zwischenfall am Gare du Nord ist exemplarisch für die Art, wie die Macron-Regierung die soziale Krise behandelt, die Frankreich seit dem vergangenen Herbst aufwühlt: Weste weg, Problem gelöst!

Neben derart skurriler Symptombekämpfung gibt es schwere Repressionen. Die vorläufige Bilanz: eine getötete Frau, 24 ausgeschlagene Augen, fünf abgerissene Hände, 286 schwere Kopfverletzungen, Hunderte weitere Verletzte, darunter Minderjährige, Sanitäter und Journalisten, 8.700 Menschen in Polizeigewahrsam, 2.000 Gerichtsurteile, davon 40 Prozent mit Gefängnisstrafen. Gelbwesten werden im Vorfeld von Demonstrationen präventiv festgenommen und am Abend unbeschuldigt auf freien Fuß gesetzt. Ein neues Gesetz macht sämtliche Teilnehmenden einer Demonstration für einzelne Gewaltakte mitverantwortlich, die dort verübt werden. Hinzu kommt der systematische Einsatz von Tränengas in den Stadtzentren, mit ungeklärten gesundheitlichen Folgen für die, die ihm ausgesetzt werden. Doch trotz einer Beschwerde der UNO-Menschenrechtskommission bleibt Innenminister Christophe Castaner bei der Behauptung, es finde keine Polizeigewalt statt.
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Die verpasste Chance für Gewerkschaften und Initiativen für Arbeitsrechte – beim Kirchentag war die Situation der kirchlichen Beschäftigten kein Thema

Der 37. Evangelische Kirchentag in Dortmund ist am 23.06.2019 nach gutem Wetter und viel Trallala zu Ende gegangen.

Dieses Großereignis hätte einen guten Anlass geben können, auf die schlechten Arbeitsbedingungen, eingeschränkten Mitbestimmungsmöglichkeiten und der Bekämpfung der Gewerkschaftsarbeit bei den Kirchen allgemein und bei der Evangelische Kirche/Diakonisches Werk im Besonderen hinzuweisen. Den Gewerkschafts- und Menschenrechtsgruppen, Arbeitsrechtlern und Aktivisten der Sozialen Bewegungen, die sich mit der Thematik beschäftigen, wäre ein bundesweites Echo garantiert gewesen.

Im Programm des Kirchentages wurde die Rolle der Kirchen als Unternehmen und Anstellungsträger nur am Rande erwähnt und Protestaktionen der Beschäftigten sind bei solchen Großveranstaltungen der Kirchen undenkbar.

Doch genau das Undenkbare hätte stattfinden sollen. Die verpasste Chance für Gewerkschaften und Initiativen für Arbeitsrechte – beim Kirchentag war die Situation der kirchlichen Beschäftigten kein Thema weiterlesen

Zur Debatte über Vergesellschaftung anstelle Verstaatlichung und über Gemeineigentum anstelle von staatlichem Eigentum

Von Daniela Dahn

Seit den alten Römern gilt: Das Heiligste von allem ist das Eigentum. Die Machthaber müssen es unter allen Umständen schützen, weit mehr als Talent und Kreativität, weit mehr als soziale Besitzstände wie Löhne, Renten oder Mieten. Die alten Griechen hatten einen gerechteren Eigentumsbegriff. Die neuen Griechen versuchen, daran zu erinnern. Ganz im Sinne von Proudhon fragen sie wieder, ob bestimmtes, in diesem Fall spekulatives Finanz-Eigentum, nicht eigentlich Diebstahl ist, der nicht verdient, anerkannt zu werden.

In Zeiten, in denen sich immer mehr Eigentum auf den Konten weniger Superreicher und Oligarchen sammelt, stellt sich die Frage, ob die vielbeklagte Kluft zwischen Arm und Reich nicht kleiner würde, wenn der Staat über mehr Eigentum verfügen würde. Die Antwort lautet: Nein. Zur Debatte über Vergesellschaftung anstelle Verstaatlichung und über Gemeineigentum anstelle von staatlichem Eigentum weiterlesen

Die Kluft wird tiefer – Die hohen Einkommen sind stark gestiegen, die niedrigsten sogar gesunken

Die Realeinkommen in Deutschland sind gestiegen. Von 1991 bis 2016 – so weit reicht die gesamtdeutsche Erfassung derzeit – ist es bei den verfügbaren Einkommen zu einem Zuwachs von durchschnittlich 18 Prozent gekommen. So weit die positive Nachricht, die sich aus dem kürzlich vorgelegten Wochenbericht 19/2019 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergibt.

Von den Steigerungen haben jedoch längst nicht alle profitiert. Bei Untersuchungen der Einkommensverteilung werden die Einkommen in zehn Bereiche aufgeteilt, sogenannte Dezile. Im zehnten Dezil, also bei den hohen Einkommen, gab es in dem genannten Zeitraum einen Zuwachs von 35 Prozent. Im zweiten Dezil, also bei den niedrigen Einkommen, lag der Zuwachs hingegen bei nur zwei Prozent. Und im ersten Dezil verzeichneten die Forscher*innen seit 2010 sogar einen Rückgang der Einkommen. Die Kluft wird tiefer – Die hohen Einkommen sind stark gestiegen, die niedrigsten sogar gesunken weiterlesen

Neun-Punkte-Programm für den Flüchtlingsschutz in Europa

Die Zusammenarbeit mit der sogenannten libyschen Küstenwache muss umgehend beendet werden und die EU benötigt unverzüglich einen solidarischen Mechanismus zur Aufnahme und Verteilung von Bootsflüchtlingen innerhalb Europas: Das gehört zu den Kernforderungen, die von PRO ASYL und Neue Richtervereinigung (NRV) erhoben werden.

In einem gemeinsamen Positionspapier  »Menschenrechte sind unteilbar und gelten für alle. Neun-Punkte-Programm für den Flüchtlingsschutz in Europa« wird dazu aufgerufen, sich aktiv für Europa und den Flüchtlingsschutz einzusetzen. Menschenrechte sind universell gültig. Angriffe auf die Menschenrechte von Schutzsuchenden sind Angriffe auf die Menschenrechte von EU-Bürger*innen. Neun-Punkte-Programm für den Flüchtlingsschutz in Europa weiterlesen

Rente rauf!

Von Holger Balodis & Dagmar Hühne

Wir sind sicher, dass die Zukunft dieser Gesellschaft nicht nur vom Klimawandel, sondern auch stark von der sozialen Gerechtigkeit abhängt. Wenn der jungen Generation später massenhafte Altersarmut droht, ist das eine Zeitbombe, die entschärft werden muss. Und zwar bald. Deutlich höhere Renten für alle, insbesondere aber bessere Renten für die gestiegene Zahl der Niedriglöhner lautet die Antwort. Sonst droht die Spaltung der Gesellschaft.

Wie es gelingen kann, zeigen wir in „Rente rauf!“. Das Buch greift die positiven Elemente in den Rentensystemen der westlichen Nachbarländer auf und beschreibt, was nun dringend auch bei uns passieren muss. „Rente rauf!“ soll durch Crowdfunding realisiert werden.

Das Buch beweist, dass bessere Renten für alle möglich und finanzierbar sind. Es zeigt, was die Politik dafür tun muss. Es soll all denen, die für höhere Renten eintreten, Mut machen und ihnen eine Stimme verleihen. Klar wird: es handelt sich nicht um eine Utopie. Deutlich höhere Renten sind schon kurzfristig umsetzbar. Und diese Renten werden vor allem der jüngeren Generation nutzen. Die drohende Altersarmut lässt sich noch abwenden. Wenn nur mutige Entscheidungen getroffen werden.

Hinter dem Projekt „Rente rauf!“ steht jeder einzelne Unterstützer. In den vergangenen Jahren konnten wir uns dabei auf Untergliederungen der Gewerkschaft ver.di und auf Gruppen der Renten-Protestbewegung verlassen.
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Armutsdelikte werden drakonisch bestraft – vom Containern, Schwarzfahren, Ladendiebstählen und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz

Die Auswirkungen der Reformen der „Agenda 2010“ die von der rot-grünen Koalition Anfang des Jahrhunderts auf den Weg gebracht wurden, haben der politischen Kultur und dem sozialen Klima im Land dauerhaft geschadet. Der Arbeitsmarkt wurde dereguliert, der Sozialstaat demontiert, eine Steuerpolitik betrieben, die den Reichen mehr Reichtum und den Armen mehr Armut gebracht hat und auch der Mittelschicht deutlich gemacht, dass ihr Abstieg jederzeit möglich ist. Damit reagieren die Stärkeren ihre Abstiegsängste, Enttäuschung und ihre Ohnmacht an den Schwächeren ab.

Begleitet wird das Ganze von dem Mistrauen gegenüber den Mitmenschen und wenn man sieht, dass der Staat überall ein Sicherheitsproblem entdeckt, das mit martialischen Einsätzen der Sicherheitskräfte entschärft werden muss, dann wird die gefühlte Bedrohung real erlebt und nach dem noch stärkeren Staat gerufen.

Dabei ist es erforderlich, denen, die nichts mehr haben, als strafender und disziplinierender Staat entgegen zu treten und denjenigen Menschen mit Abstiegsängsten und den großen Vermögen einen starken Staat zu demonstrieren.

Der Bereich in dem der strafende Staat schon seit Jahrzehnten eine besonders tragische Kontinuität an den Tag legt, ist die Ahndung von Bagatelldelikten, die von den ärmeren Menschen begangen werden.

Die Armutsdelikte wie das Containern, Schwarzfahren, Ladendiebstähle und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz werden im Folgenden genauer betrachtet und auch wie sie geahndet werden. Armutsdelikte werden drakonisch bestraft – vom Containern, Schwarzfahren, Ladendiebstählen und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz weiterlesen

Vorsitz der Atlantik-Brücke – nur ein Karrieresprung für einen EX-SPD-Vorsitzenden oder Ausdruck politischer Kontinuität?

Der Vereinsvorstand der Atlantik-Brücke, die mächtige Organisation der transatlantischen Elitenvernetzung und –koordination, hat nun beschlossen, den früheren SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel für die Wahl des Vorsitzenden durch die Mitgliederversammlung am 26. Juni vorzuschlagen. Wird er gewählt, steht er einer Organisation vor, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Westintegration und die NATO Mitgliedschaft der Bundesrepublik Deutschland zustande kam. Die Westintegration war die Voraussetzung dafür, einen verlässlichen und nachhaltigen außenpolitischen Konsens zu etablieren, dessen Kern die guten deutsch-amerikanischen Beziehungen sind.

Das transatlantische Elitennetzwerk hatte und hat einen großen Anteil daran, den außenpolitischen Konsens durch seine Rolle der politische Koordinatoren über die Jahrzehnte auszubauen und zu pflegen. Damit das Netzwerk effektiv und stabil bleibt, hat es die zahlreichen Verbindungen und Beziehungen zu Wissenschaftlern und Medienkonzernen genutzt, um diesen Konsens auch im öffentlichen Diskurs zu verankern und so im Systemkonflikt zwischen dem Kapitalismus und einem wie auch immer ausgestalteten Sozialismus erfolgreich zu sein.

Damit heute ein früherer SPD-Vorsitzender an die Spitze dieser Organisation kommt, musste sich die westdeutsche Sozialdemokratie schon früh vom Anti-Militarismus, Neutralismus und Sozialismus verabschieden.

Übrigens wird Sigmar Gabriel den noch amtierenden Vorsitzenden der Atlantikbrücke, Friedrich März ablösen, den die transatlantische Elite derzeit als Bundeskanzler aufbaut.

Im Folgenden wird die Atlantik – Brücke und deren Mitglieder einmal vorgestellt. Vorsitz der Atlantik-Brücke – nur ein Karrieresprung für einen EX-SPD-Vorsitzenden oder Ausdruck politischer Kontinuität? weiterlesen

Distomo – 10. Juni 1944: Nicht verjährt, nicht entschädigt, nicht vergessen

Von Arbeitskreis Distomo

Deutschland ist ein schwieriges Land. Es ist das wirtschaftlich und politisch stärkste Land in Europa. Der Reichtum stützt sich auch auf die Tatsache, dass nach dem 2. Weltkrieg die auf der Pariser Reparationskonferenz von 1946 festgelegten Verpflichtungen zur Zahlung nie erfüllt worden sind. Obwohl besiegt, behielt Deutschland das Raubgut, behielt die Vorteile aus der Zwangsarbeit. Für die tausendfachen Morde und die Zerstörung der überfallenen Länder wurde so gut wie nichts gezahlt. Distomo – 10. Juni 1944: Nicht verjährt, nicht entschädigt, nicht vergessen weiterlesen

Pflegenotstand: (Wieder mal) Ausländer rein! Also in die Pflege. Die verzweifelte Hoffnung stirbt offensichtlich zuletzt

Von Stefan Sell 

Im Jahr 1963 wurde ein Chefarzt im SPIEGEL mit diesen Worten zitiert: „Das Krankenhaus ist zu einem Taubenschlag geworden.“ Und in dem Artikel Der weiße Alptraum, veröffentlicht im SPIEGEL Heft 29/1963, wird daran anknüpfend berichtet: »Der Mangel an weißen Hauben-Tauben ist einer der gewichtigsten Gründe für die Misere vieler deutscher Krankenhäuser: Wegen Schwesternmangels mußten in letzter Zeit zahlreiche Stationen und Abteilungen geschlossen, konnte manche neue Klinik gar nicht eröffnet werden.« Damals wurde von 94.352 Krankenschwestern berichtet, die laut Statistik berufstätig waren – und zugleich von 40.000 fehlenden Pflegekräften in den Kliniken.

Wahrhaft putzige Zahlen, wenn man an die heutigen Größenordnungen denkt und die man in der aktuellen Diskussion über einen Pflegenotstand parat haben sollte: Nur bezogen auf die Krankenhäuser wird für 2016 von 325.100 Pflegefachkräften (in Vollzeit) berichtet ( übrigens 1.000 weniger als im Jahr 1991). Aber die Welt der Pflege ist noch weitaus größer: Allein in der stationären und ambulanten Altenpflege sind 1,1 Mio. Beschäftigte tätig und wenn man eine Hierarchie der Dringlichkeit des Pflegenotstands aufstellen müsste, dann steht die Altenpflege ganz oben auf der Liste. Pflegenotstand: (Wieder mal) Ausländer rein! Also in die Pflege. Die verzweifelte Hoffnung stirbt offensichtlich zuletzt weiterlesen

Zukunft der Beschäftigung: kommt nach prekär nur noch Sklaverei und Schuldknechtschaft?

Für die Sicherheit der reichen Menschen, die abgeschirmt in eigenen Trutzburgen in den Stadtteilen leben, muss immer mehr Aufwand getrieben werden, damit die „überflüssigen“ Menschen, deren Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird, ihnen nicht zu nahekommen. Doch wird es immer schwieriger, sie in Schach zu halten.

Gleichzeitig versuchen die Menschen aus ihrer prekären Lage herauszukommen.  In immer zahlreicher werdenden Regionen des globalen Südens versuchen die Menschen mit Hilfe von Verschuldung ihre Situation zu verbessern und nehmen Kredite auf. Diese Verschuldung ist mittlerweile der erste Schritt in die Sklaverei geworden.

Die Schuldknechtschaft ist der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, sie stellt heute aber die am weitest verbreitete Methode zur Versklavung von Menschen dar.

Die globale Ökonomie hat eine weltweite Nachfrage geschaffen, bei der die Unternehmen den Globus nach unregulierten Arbeitsmärkten absuchen, um von den niedrigsten Löhnen profitieren zu können. Zukunft der Beschäftigung: kommt nach prekär nur noch Sklaverei und Schuldknechtschaft? weiterlesen

Die „Deutschland AG“ hat sich aufgelöst – neue Herausforderungen für erfolgreiche Kämpfe!

Von Uwe Fritsch

In den vergangenen 20 Jahren ist es zu einer grundlegenden strukturellen Neuordnung der Kapital- und Personalverflechtungen innerhalb des Großkapitals gekommen. Im Zuge der Globalisierung haben sich nationale Konzentrationen aufgelöst und immer weniger Akteure beherrschen die Unternehmen in den größten Wirtschaftsregionen der Welt. Auch auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen in dem Weltkonzern Volkswagen AG komme ich zu der These: Das deutsche Großkapital in der Form der ehemaligen „Deutschland AG“[1] hat sich aufgelöst, existiert in dieser Form nicht mehr und organisiert sich neu und globaler“. Daraus ergibt sich aus meiner Sicht für uns als Marxistinnen und Marxisten, als Kommunistinnen und Kommunisten die Notwendigkeit, die politische Praxis, die Strategie und Taktik an diese Entwicklungen anzupassen. Nur die Analyse von objektiven Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft ermöglicht uns auch als Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, den Erhalt und den Ausbau der Gegenmacht als Ausgangspunkt und Chance zu gesellschaftlichem Wandel zu organisieren und langfristig zu grundsätzlichen gesellschaftlichen Veränderungen zu kommen. Die „Deutschland AG“ hat sich aufgelöst – neue Herausforderungen für erfolgreiche Kämpfe! weiterlesen

Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften bereitet Strategiekonferenz 2020 vor

Am 18. Mai 2019 trafen sich in Frankfurt am Main über dreißig Vertreter*innen verschiedener Netzwerke und örtlicher Initiativen. Bereits auf der Konferenz der Rosa-LuxemburgStiftung „Aus unseren Kämpfen lernen“ im Februar hatten an einem Randtreffen der Initiative siebzig Interessierte teilgenommen. Die Einberufung einer gewerkschaftlichen Strategiekonferenz 2020 wurde dort bereits angekündigt und zum Vorbereitungstreffen am letzten Wochenende eingeladen.

Zu den Aufrufenden gehören unter anderem der Arbeitsausschuss der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken (IVG) mit seinen örtlichen Foren, LabourNetGermany, Redaktion express, das „Netzwerk für eine demokratische und kämpferische ver.di“, die Basisgewerkschaftsgruppe „ver.di aktiv“, die ver.di-Linke NRW, DidF, OrganisierenKämpfen-Gewinnen (OKG), TIE (internationales Bildungswerk) und andere. Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften bereitet Strategiekonferenz 2020 vor weiterlesen

Wobblies – Politik und Geschichte der IWW

Die Industrial Workers of the World (IWW) ist eine der legendärsten Kampforganisationen der Arbeitsklasse. Gegründet 1905 in den USA hatte die IWW bald Sektionen auf fünf Kontinenten. Die Wobblies, wie die Mitglieder der Organisation genannt werden, sind untrennbar mit der Geschichte des revolutionären Syndikalismus verbunden. Sie vereinen das Prinzip der Arbeiterselbstverwaltung mit direkter Aktion und dem Ziel einer klassenlosen Gesellschaft.

Der 28. Band der Reihe »Klassiker der Sozialrevolte« bietet einen Einstieg in die Ursprünge und Geschichte der IWW. Neben der Prinzipienerklärung der IWW von 1904 und dem etwas bekannteren Text »Die I.W.W.: Ihre Geschichte, ihre Struktur, ihre Methoden« (1917) des Arbeiteranführers Vincent St. John beinhaltet der Band auch eine Erstübersetzung von Henry McGuckins »The Memoirs of a Wobbly«, eine anschauliche Beschreibung des Wanderlebens, das viele Wobblies Anfang des 20. Jahrhunderts führten. Sie bildeten eine Solidaritätsgemeinschaft prekarisierter Arbeiter*innen, die das soziale und politische Leben in den USA – und weit darüber hinaus – wesentlich beeinflusst haben.
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Andrea Nahles’ Bilanz als Ministerin … eine einzige Katastrophe

Von Jens Berger/ Artikel vom 20.02.2018

Nach dem Wunsch der Parteiführung soll Andrea Nahles auf dem Sonderparteitag am 22. April in Wiesbaden zur nächsten SPD-Vorsitzenden gewählt werden. Dass ausgerechnet ein Apparatschik wie Nahles der Partei die wahrscheinlich ohnehin nicht mehr möglichen Impulse zu einem Neuanfang geben kann, darf jedoch getrost bezweifelt werden. Erst recht, wenn man sich die desolate Bilanz ihrer Arbeit im Arbeits- und Sozialministerium vor Augen hält. Liebe Genossen, meint Ihr tatsächlich, dass dieses Gesicht für eine glaubwürdige Neuorientierung steht? Andrea Nahles’ Bilanz als Ministerin … eine einzige Katastrophe weiterlesen