Schlagwort-Archive: Arbeitszeitverkürzung

Kämpfe um Zeit – die Hoheit über die Arbeitszeitpolitik zurückgewinnen

Von Netzwerk-Info Gewerkschaftslinke

Kämpfe um Zeit begleiten die ArbeiterInnen- und die Gewerkschaftsbewegung seit ihrer Entstehung. Im Mittelpunkt standen meist die Dauer des Arbeitstages bzw. der Arbeitswoche, aber auch die Lebensarbeitszeit, Urlaub- und Pausenzeiten. Auch wenn die Kämpfe vorwiegend von den Organisationen der ArbeiterInnenbewegung und den Gewerkschaften geführt wurden, waren sie doch immer auch eingebettet in gesellschaftliche Konflikte und Bewegungen. Kämpfe um Zeit – die Hoheit über die Arbeitszeitpolitik zurückgewinnen weiterlesen

Die Beschäftigten leisten über 1,8 Milliarden Überstunden – nur die Verknappung des Arbeitsangebots kann als Jobmotor wirken

Für jeden dritten Beschäftigten in Deutschland ist es Realität, deutlich länger zu arbeiten als es vereinbart wurde. Fast jeder vierte arbeitet sogar mehr als 45 Stunden in der Woche und etwa jeder sechste Beschäftigte arbeitet sogar mehr als 48 Stunden pro Woche. Die Arbeitnehmer leisteten 2016 mehr als 1,8 Milliarden Überstunden, knapp eine Milliarde davon war unbezahlt. Das geht aus einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung des DGB hervor.

Die betroffenen Beschäftigten berichten deutlich häufiger von fehlender Erholung als andere Arbeitnehmer, ihr Arbeiten ohne Ende gefährdet die Gesundheit und erschwert, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu kriegen.

Zwischen den verschiedenen Branchen gibt es große Unterschiede, so geben 59 Prozent der Fahrzeugführer an, überlange Arbeitszeiten zu haben. Den Spitzenwert erreicht die Hotel- und Gaststättenbranche, dort arbeiten 63 Prozent der Vollzeitbeschäftigten länger als vereinbart. Den geringsten Anteil an Überstunden leisten der Studie zufolge die Beschäftigten in der Finanz- und Versicherungsbranche.

Wir brauchen dringend neue Regeln, damit die Beschäftigten ihre Arbeitszeit flexibel und selbstbestimmt gestalten und eine neue Verteilung von Arbeit, die ein Jobwunder auslösen würde. Die Beschäftigten leisten über 1,8 Milliarden Überstunden – nur die Verknappung des Arbeitsangebots kann als Jobmotor wirken weiterlesen

Der Wirtschaftswissenschaftler Heinz-J. Bontrup fordert die Gewerkschaften auf, sich verstärkt für eine Arbeitszeitverkürzung und eine Wirtschaftsdemokratie stark zu machen

Der Wahlkampf 2017 hat begonnen. Man merkt es auch daran, dass vermehrt Konferenzen mit dem Hauptthema Arbeit durchgeführt werden. Reiner Hoffmann der DGB-Vorsitzende bezeichnete auf einer solchen Konferenz die Arbeitszeitverkürzung als das Gewinnerthema für die Bundestagswahl. Er spricht aber lediglich von „Experimentierräumen“ für die Auflösung des 8-Stunden-Tages und er sieht die Arbeitszeitverkürzung als das ureigenste Feld für die Tarifvertragsparteien. Er meint wohl, andere sollten sich da eher heraushalten, also Arbeitszeitverkürzung sollte nicht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden.

Die organisierte Unternehmerschaft, hat sich da schon längst positioniert und fordert die Ausweitung des 8-Stunden-Tages und Verkürzungen der Ruhezeiten zwischen den Schichten als neue Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und meint, dass das Arbeitszeitgesetz doch schon genügend Flexibilität bietet, eben zur Ausweitung der Arbeitszeit.

Da wird in den nächsten Monaten kaum was gehen und zeigt, dass die derzeitige Gewerkschaftergeneration mit der Aufgabe der Arbeitszeitverkürzung maßlos überfordert scheint.

Es sei daran erinnert, was der kürzlich verstorbene Eckart Spoo mitten in der Krise 2009 unter der Überschrift „Gewerkschafter handelt!“ schrieb: „Gewerkschafter, wann besinnt ihr Euch auf das Notwendige? Die Autorität des Kapitals ist geschwächt, zumal es, außer noch brutalerer Ausbeutung, kein Konzept hat. Verschlaft die Situation nicht. Sonst wird sich Euer Mitgliederschwund fortsetzen. Und der Eures Durchsetzungsvermögens. Analysiert die Krise der 1920er, 1930er Jahre. Und handelt“.

In diesem Sinn ist der folgende Beitrag Heinz-J. Bontrup gedacht, der vor einigen Jahren gemeinsam mit Mohssen Massarrat das „Manifest zur Überwindung der Massenarbeitslosigkeit“ herausgegeben hat. Der Wirtschaftswissenschaftler Heinz-J. Bontrup fordert die Gewerkschaften auf, sich verstärkt für eine Arbeitszeitverkürzung und eine Wirtschaftsdemokratie stark zu machen weiterlesen

Warum tun sich die zwei großen Gewerkschaften mit der Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden mit vollem Lohn- und Personalausgleich so schwer?

Bild: ver.di Jugend

Viele Gewerkschafter erhoffen sich von der Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden mit vollem Lohn- und Personalausgleich nicht nur den Abbau der Massenarbeitslosigkeit, sondern vor allem, dass diese Losung eine Mobilisierung der Beschäftigten auslöst. Die ist auch nötig, denn derzeit fehlt die gemeinsame Handlungsfähigkeit der Arbeitnehmer auf einem total zersplitterten Arbeitsmarkt. Es mangelt an gemeinsame Aktionen von Erwerbslosen und abhängig Beschäftigten und an einem griffigen Kampfbegriff für die nächsten 10 Jahre. Der gesellschaftspolitische Einfluss der Gewerkschaften tendiert gegen Null und dringend benötigt wird ein Werkzeug für eine Rücknahme der Umverteilung von unten nach oben.

Für viele Kolleginnen und Kollegen, die dies ähnlich sehen, brachte der Gewerkschaftstag der IG-Metall und der ver.di Bundeskongress im vergangen Jahr große Ernüchterung.

Hier soll versucht werden, den aktuellen Diskussionstand bezüglich der Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden mit vollem Lohn- und Personalausgleich bei den beiden großen DGB-Gewerkschaften zu beschreiben. Warum tun sich die zwei großen Gewerkschaften mit der Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden mit vollem Lohn- und Personalausgleich so schwer? weiterlesen

Vor 30 Jahren: Streiks für Einführung der 35-Stunden-Woche

35Seit dem vergangen Jahr hat die Gewerkschaftsbasis auf breiter Ebene angefangen, die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich zu diskutieren. Trotz zahlreicher Beschlüsse zur Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung tun sich die Repräsentanten der Einzelgewerkschaften mit der Kampagne immer noch schwer.

Sie sollten doch mal 30 Jahre zurück schauen und auf die damalige Mobilisierung der Kolleginnen und Kollegen achten. Davon kann man heute doch nur träumen. Vor 30 Jahren: Streiks für Einführung der 35-Stunden-Woche weiterlesen

Arbeitszeitverkürzung und Ausbau der öffentlichen Beschäftigung

Bild: ver.di Jugend
 

Gegner der Arbeitzeitverkürzung übersehen gern, dass auch die Arbeitslosigkeit, Kurz- und Teilzeitarbeit Formen von Arbeitszeitverkürzung sind. Auch die Vollbeschäftigten zahlen dafür: Lohndrückerei, wachsender psychischer und physischer Druck, steigende Gesundheits- und Sozialkosten sind der Preis. Je mehr Arbeitslose, desto weniger Gewerkschaftsmitglieder und mangelnde Tarifbindung. Eine faire Arbeitzeitpolitik könnte das verfügbare Erwerbsarbeitspotential und das entsprechende Arbeitsvolumen so umverteilen, dass die Arbeitslosen eine Arbeit bekämen, aber auch die Teilzeitbeschäftigten ihre Arbeitszeit nach ihren Bedürfnissen erhöhen könnten. Arbeitszeitverkürzung und Ausbau der öffentlichen Beschäftigung weiterlesen