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RWE-Werkschutz als Hilfstruppe der Polizei oder Polizei als Hilfstruppe des RWE-Werkschutzes – diese Einheit bekommt jeder zu spüren, der sich mit einem Konzern anlegt und in den Produktionsprozess eingreift

Die heftigen Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst und dem dringend notwendigen Kohleausstieg haben wieder einmal die enge Zusammenarbeit zwischen Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk (RWE) und staatlichen Institutionen aufgezeigt.

Die NRW-Polizei wurde von der Landesregierung als verlängerter Werksschutz von RWE eingesetzt. Der RWE-Konzern stellte nicht nur Geländewagen und Busse zum Transport von Polizisten und festgenommenen Demonstranten zur Verfügung, RWE-Mitarbeiter waren auch in erheblichem Umfang an der Polizeiaktion und direkt an den oft stundenlangen Einkesselungen von Demonstranten beteiligt. Einige dieser Mitarbeiter waren sogar mit Eisenstangen ausgerüstet. Zusätzlich wurde eine private Sicherheitsfirma angeheuert. Das Unternehmen Industrie- und Werkschutz Mundt GmbH (IWSM) aus Frechen war mit rund einem Dutzend Männern im Einsatz.

Beteiligte und Beobachter konnten hautnah erleben, was passiert, wenn man sich mit einem Konzern anlegt und in den Produktionsprozess eingreifen will.

Die Geschichte des Werkschutzes in Deutschland wurde an dieser Stelle vor einem Jahr beschrieben und ist im Folgenden zu lesen – schon damals wurde auch über den Werkschutz des RWE-Konzerns berichtet. RWE-Werkschutz als Hilfstruppe der Polizei oder Polizei als Hilfstruppe des RWE-Werkschutzes – diese Einheit bekommt jeder zu spüren, der sich mit einem Konzern anlegt und in den Produktionsprozess eingreift weiterlesen

Von der Industriepolizei zum Werkschutz – für hoheitliche Aufgaben und Militanz im Inneren

Im Jahr 1945, noch im Zuge der militärischen Eroberung, konnten die nazistischen Werkschutzkader nur knapp von den US-Truppen vor der Rache der freigelassenen Zwangsarbeiter gerettet werden. Nicht nur das, sie wurden von den US-Kommandeuren gleich wieder als Polizeischutztruppe gegen die Arbeiter zur Unterdrückung von Aneignungsaktionen eingesetzt. Das war gut vorbereitet, denn seit Herbst 1945 wurden über die deutschen Polizeidienststellen Personen rekrutiert und für die Aufstandsbekämpfung ausgerüstet und 1946 dann ständig neue Einheiten der „Industriepolizei“ gebildet.

Als die Besatzungsmächte 1950/51 ihre „Industriepolizei“ wieder aus den Betrieben abzogen, wandten sich die SS-Traditionsverbände, Kameradschaften von NS-Elitetruppen und militärische Jugendverbände, wie  der „Bund Deutscher Jugend“ (BDJ), an die Ruhrindustriellen, um ihnen qualifizierte Kader für die Verstärkung der vorübergehend geschwächten Werksicherheitsdienste anzudienen; in einem entsprechenden Schreiben war das Bundesinnenministerium als Bürge für die Zuverlässigkeit des BDJ angeführt worden. Diese Offerte zum Ausbau eines parlamentarisch nicht kontrollierten repressiven Apparates in den Betrieben ist von den Unternehmen gern angenommen worden.

Das war der Beginn einer Kette von Übergriffen in der Zusammenarbeit bei der Erledigung hoheitlicher Aufgaben von Werkschutz und staatlichen Institutionen in Deutschland, begonnen mit dem Vorläufer des Werkschutzes, der Industriepolizei. Von der Industriepolizei zum Werkschutz – für hoheitliche Aufgaben und Militanz im Inneren weiterlesen